Auf den Spuren von Janusz Korczak

Am Sonntag, den 11. Mai 2008 traf sich eine Gruppe von 14 Studenten der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg am Flughafen, um sich im Rahmen eines Kompaktseminars von Frau Dr. Godel-Gaßner und Herrn Prof. Dr. Niesyto auf die Spuren von Janusz Korczak zu begeben. Alle hatten sich bereits im Wintersemester 2007/2008 intensiv mit dem Leben und dem pädagogischen Werk Janusz Korczaks beschäftigt. Die erarbeiteten Themen des Seminars vom Wintersemster 2007/08, das ebenfalls von Frau Dr. Godel-Gaßner und Herrn Prof. Dr. Niesyto geleitet wurde, finden sie hier.

Dieser Blog informiert darüber, wie man sich in Warschau auf die Spuren von Janusz Korczak begeben kann. Er ist so aufgebaut, dass Sie unsere Spurensuche Tag für Tag nachvollziehen können. Einen kleinen Stadtplan mit unseren gefundenen Spuren finden Sie weiter unten. Kleinere Auszüge dieser Karte stehen bei den einzelnen Themen zur Verfügung.

An dieser Stelle geht unser herzlicher Dank an alle Mitarbeiter vor Ort, vor allem aber an Frau Ciesielska, der Leiterin des Korczakianums, Dr. Hensel, Mitarbeiter des jüdisch-historischen Instituts, Dr. Böhler und Dr. Mlynarczyk, Mitarbeiter des Deutschen Historischen Instituts in Warschau.

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Sonntag, der 11 Mai 2008 – Abflug nach Warschau

Tagebuchauszug:

Am Flughafen gab es das erste Wiedersehen nach einer langen Pause. Ich musste feststellen, dass ich mir immer noch keine Namen merken kann. Zum Glück haben wir eine Expertin dabei, die nicht nur alle Namen kennt, sondern auch noch die Flugdaten aufgeschrieben hat. Der Flug war ein bisschen rucklig, aber ich fahre gerne Achterbahn, das kam dem ziemlich nahe.

Letzter Blick zurück

Letzter Blick zurück

In Warschau angekommen wird erst mal Geld getauscht (1€ sind ca. 3 polnische Zloty). Der Bus fährt auch Richtung Innenstadt und eigentlich auch bis zu unserem Hotel. Eigentlich. Was wir bis jetzt noch nicht gewusst haben: Warschau ist eine einzige Baustelle. Es ist fast unmöglich an zwei Tagen hintereinander die gleiche Route zu fahren, weil die Baustellen und Umleitungen wie Pilze nach einem Regen aus dem Boden schießen. Das führte leider dazu, dass unser Bus einfach auf halber Strecke anhielt und nicht mehr weiterfuhr. Aber wir haben unser Hotel dann doch noch gefunden. Ich find ´s gemütlich.

Hotel Metalowcy in der Dluga Straße

Hotel Metalowcy in der Dluga Straße

Nachdem wir uns eingelebt haben, gingen wir in Warschau noch auf Erkundungstour. Die Altstadt ist wunderschön. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie nach alten Gemälden aus dem Mittelalter wieder aufgebaut. Genau so kommt man sich auch vor, wenn man durch die engen Gässchen geht und die Häuser mit alter /neuer Fassade bestaunt. Vor allem abends ist es schön, wenn die Lichter angehen und man durch die laue Nacht spazieren kann. Der Marktplatz war voll mit Menschen und Bären. Bären? Ja. Die Buddy-Bears -Welttournee machte auch in Warschau halt. Viele großen Bären aus aller Herren Länder standen auf dem Marktplatz und warben für mehr Toleranz unter den Menschen.

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Montag, der 12. Mai 2008 und die erste Spur

Der Vormittag stand für individuelle Erkundungen zur Verfügung. Alle zogen in kleinen Grüppchen los und machten Warschau unsicher. Am Abend vorher bekamen wir eine Einführung in die Geschichte Warschaus und ausgewählte Sehenswürdigkeiten. Da konnte jeder auswählen, was er oder sie gerne sehen möchte. Am Abend traf man sich wieder, um das Vorgehen der nächsten Tage zu besprechen sowie die ersten Eindrücke zu sammeln.

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einig Bilder sollen die Vielseitigkeit Warschaus deutlich machen:

Blick vom Kulturpalast

Blick vom Kulturpalast

Blick auf das neue Einkaufszentrum

Blick auf das neue Einkaufszentrum

einer der vielen Parks in Warschau

einer der vielen Parks in Warschau

Der Kulturpalast-das Wahrzeichen von Warschau

Der Kulturpalast-das Wahrzeichen von Warschau

Die erste Spur von Janusz Korczak

Einige fanden die erste Spur von Janusz Korczak auf dem jüdischen Friedhof. Dort befindet sich das bekannte Denkmal Janusz Korczaks und das Grab seines Vaters Josef Goldszmit. Außer dem schon erwähnten Denkmal gibt es ein Denkmal zur Erinnerung an die vielen jüdischen Kinder, die im 2. Weltkrieg umgekommen sind. Der Friedhof an sich ist sehr grün. Je tiefer man hineingeht, desto verwilderter wird er. Wenn man an so einem Flecken steht, die Vögel singen und den Wind in den Bäumen rascheln hört, fühlt man sich gar nicht mehr wie auf einem Friedhof.

Der erste Hinweis auf Janusz Korczak- Im jüdischen Friedhof

Der erste Hinweis auf Janusz Korczak- Im jüdischen Friedhof

Denkmal Janusz Korczak und die Kinder

Denkmal Janusz Korczak und die Kinder

Ein Element aus dem Denkmal für die toten, jüdischen Kinder aus dem 2 Weltrieg

Ein Element aus dem Denkmal für die toten, jüdischen Kinder aus dem 2 WeltriegGrabstein von Josef Goldszmit

grüne Friedhofsidylle

grüne Friedhofsidylle

Tagebuchauszug:
Heute war der erste Tag und wir haben uns die Hacken abgelaufen. zum Glück hatten wir schönes Wetter. Warschau ist einfach schön. Der jüdische Friedhof war beeindruckend. Nicht nur weil dort das , wie ich finde, schönste Denkmal Korczaks steht. Der ganze Friedhof ist so grün und friedlich und von der breiten Straße direkt davor kann man kaum etwas hören. Eine kleine Oase zum Besinnen.
Das war auch nötig, das Denkmal für die Kinder hat mich betroffen gestimmt. Man tritt auf eine Ecke aus Mauern zu und dort liegen ein Haufen Steine mit Fotos einzelner Kinder. Einige sind abgemagert, andere lächeln auf ihren Bildern. Ein Bild der Anne Frank war auch dabei.
Das Denkmal für Korczak zeigt ihn so väterlich, beschützend. Er hat ein Kind auf dem Arm, ein anderes an der Hand und auf dem Rücken der Rucksack, in dem er alles Essbare für seine Kinder sammelte.
Wir fanden die richtige Straßenbahn und fuhren bis zum Kulturpalast. Ich war ein bischen enttäuscht. Da steht ein riesiger Klotz aus den 60er Jahren mitten in Warschau, umgeben von viel befahrenen Straßen. Ich hatte ihn mir ganz anders vorgestellt. Aber das neu gebaute Einkaufszentrum hat ein spektakuläres Dach. Eine Glasdecke (oder irgendein anderes Material) aus lauter zusammengesetzten Dreiecken. Dann mussten wir auch schon zu unserem Treffpunkt gehen.
Wir fanden dann auch den Weg zum Treffpunkt, nur leider eine Stunde zu spät. Das Straßebahnnetz ist für nicht-polnisch-sprechende, in-Warschau-Unbekannte etwas verwirrend.

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Dienstag, der 13. Mai 2008 – noch mehr Spuren

Am Dienstagmorgen besuchten wir das Korczakianum. Was das ist und welche Aufgabe dieses Institut hat kann mir hier nachlesen:korczakianum_internetdoc

Das Korczakianum

Das Korczakianum

Im Korczakianum trafen wir uns mit der Leiterin des Institutes Marta Ciesielska. Sie erzählte uns viel Neues von Janusz Korczak und gab uns einen genaueren Überblick über sein Werk und seine Schriften. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, uns mit einigen der dort gesammelten Schriften auseinander zu setzen. Besonders Interessant fanden wir,dass das Korczakianum im alten Waisenhaus von Janusz Korczak untergebracht ist. so konnte man sich einige alte Bilder anschauen und mit den noch existierenden Räumen vergleichen.

Frau Ciesielska in ihrem Arbeitszimmer

Frau Ciesielska in ihrem Arbeitszimmer

Adresse des Korczakianum

Adresse des Korczakianums

Blick auf das Korczakianum

Blick auf das Korczakianum

Das Warschauer Ghetto und das jüdische Museum

Das Warschauer Ghetto und das jüdische Museum

Am Nachmittag begaben wir uns auf echte Spurensuche. Wir bekamen eine Führung durch das Gebiet des ehemaligen Warschauer Ghettos. Da man kaum noch erkennen kann, wo dieses früher gestanden hat, wäre es uns wohl ohne Stadtführer nicht gelungen. Wir hatten Glück und Herr Dr. Hensel, ein Mitarbeiter des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau, hat sich für uns Zeit genommen. Wir besuchten dabei auch das Denkmal für den Ghettoaufstand (am selben Platz ist auch ein kleines Denkmal für Willy Brandts Kniefall aufgestellt) und den Umschlagplatz, von dem die Deportationen nach Treblinka erfolgten (markiert durch eine rote Fahne, an der Stawki- Straße-> oben, Mitte). Auch Korczak und seine Kinder wurden hier Anfang August in die Todeswagons verladen.

Auf der Karte kann man den Umriss des Warschauer Ghettos rot hinterlegt erkennen.

Die andere rote Fahne markiert den Platz für das Denkmal.

Der schwarz eingefärbte Fuß markiert das Korczakianum.

In de Nähe der Metro-Station Ratusz konnten wir uns weiter auf Spurensuche begeben, dort befindet sich das Jüdische Historische Institut in Warschau. Man kann dort eine eindrucksvolle Dauerausstellung zum Warschauer Ghetto ansehen, die das Leben im Ghetto vermittelt. Da ja auch Korczak mit seinen Waisenkindern im Ghetto lebte, hat uns diese Ausstellung die Lebensumstände in seinen letzten Jahren deutlich gemacht.

Eine kurze Zusammenfassung findet sich hier: das_warschauer_ghetto

einige Bilder aus dem Warschauer Ghetto

Letzte Spuren der ehemaligen Straßenbahn im Ghetto-Gebiet

Letzte Spuren der ehemaligen Straßenbahn im Ghetto-Gebiet

Das Denkmal für den Ghettoaufstand

Das Denkmal für den Ghettoaufstand

Das Denkmal für den Ghettoaufstand

Das Denkmal für den GhettoaufstandDenkmal für Willy Brandts Kniefall

Umschlagplatz

Umschlagplatz

Umschlagplatz-Mausoleum

Umschlagplatz-Mausoleum

Tagebuchauzug:

Heute war ein schöner Tag. Im Korczakianum wäre ich gerne noch länger geblieben. Was Frau Ciesielska zu erzählen hatte, war sehr interessant. Sie hat mir Korczak von einer etwas anderen Seite näher gebracht. Leider sind die vielen, vielen gesammelte Dokumente auf polnisch. Die Zeitungsartikel aus „der kleinen Rundschau“ hätten mich interessiert und die alten Aufzeichnungen der Erzieher.

Das Warschauer Ghetto hätte ich nicht bemerkt. Man sieht nur geringfügige Unterschiede zwischen den Häusern auf der alten Seite und denen, die auf den Schuttbergen des Ghettos gebaut wurden. Um ehrlich zu sein: Ich hätte nichts bemerkt, hätte uns Herr Dr. Hensel diese Unterschiede nicht gezeigt. Am Umschlagplatz trafen wir auf eine andere Gruppe. Die haben wohl auch eine „Ghettoführung’“gemacht. Es kommt mir merkwürdig vor, wie zweigeteilt. Auf der einen Seite das Warschau des Alltags, mit Schüler-Party und Wohnhäusern und mittendrin das alte Warschau, das anscheinend nur Touristen interessiert.

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Mittwoch, 14. Mai 2008 – 4. und 5. Spur

Deutshes Historisches Institut Warschau und Mausoleum
Deutsches Historisches Institut Warschau und Mausoleum

Am Mittwoch morgen trafen wir uns im Deutschen Historischen Institut Warschau (rote Fahne) mit Herrn Dr. Böhler. Nachdem wir einen Film über die Kindertransporte im 2. Weltkrieg in Polen gesehen und darüber gesprochen haben, bekamen wir eine Führung durch das Warschau in der Besatzungszeit. Dies war als Ergänzung zu der Führung durch das Warschauer Ghetto geplant. Am Ende dieser Führung besuchten wir das Mausoleum of battle and Martyrdom. (Es ist in der Karte mit einem Fußabdruck gekennzeichnet) Das Mausoleum ist im Ministerium der Erziehung untergebracht, da dort während der Besatzung eines der deutschen Gefängnisse in Warschau stand.

Jochen Böhler während der Führung

Dr. Jochen Böhler während der Führung

Eingang zum Mausoleum

Eingang zum Mausoleum

Schattenfigur eines Gefangenen

Schattenfigur eines Gefangenen

Am Nachmittag besuchten wir das neue Museum des Warschauer Aufstands. Nähere Informationen über den Warschauer Aufstand finden sich hier: warschauer_aufstand_erlebnisbericht

Führung durch das Museum

Führung durch das Museum

Wohnzimmer zu Belagerungszeiten

Wohnzimmer zu Belagerungszeiten

Nach der Führung durch das Museum konnten wir mit einem Zeitzeugen sprechen. Er war Mitglied in der Armia Krajowa und hat gegen die deutschen Besatzer gekämpft.

Zeitzeuge Herr Leo

Zeitzeuge Herr Leo

Symbol der Armia Krajowa- findet man noch heute an vielen Hauswänden

Symbol der Armia Krajowa- man findet es noch heute an vielen Hauswänden

Das Denkmal für den Warschauer Aufstand, der nicht zu verwechseln ist mit dem Ghettoaufstand, befindet sich in der Nähe unseres Hotels (roter Punkt).
Denkmal Warschauer Aufstand

Denkmal Warschauer Aufstand

Denkmal Warschauer Aufstand

Denkmal Warschauer Aufstand

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Donnerstag, 15. Mai 2008 – Treblinka

Am Donnerstag begaben wir uns auf einen Ganztagesexkursion nach Treblinka. Da dort auch die letzte Station Korczaks war, hielten wir es für angemessen dort unsere Spurensuche abzuschließen. Treblinka liegt außerhalb Warschaus und ist deshalb nicht in den Stadtplan eingezeichnet. Vor Ort gibt es ein kleines Museum, das einige deutsche Schüler eines Bielefelder Gymnasiums gestaltet haben. Außerdem bekamen wir von Dr. Jacek Młynarczyk einen Experten für das Vernichtungslager Treblinka eine Führung durch das ehemalige Lager und der darauf errichteten Gedenkstätte.

Weitere Informationen finden sich hier: erfahrungsbericht-treblinka

Skizze des Lagers in Treblinka

Skizze des Lagers in Treblinka

Eingang in das Vernichtungslager Treblinka

Eingang in das Vernichtungslager Treblinka

Jacek Mlynarczyk
Jacek Mlynarczyk
Gedenkstein für Janusz Korczak und seine Kinder

Gedenkstein für Janusz Korczak und seine Kinder

Tagebuchauszug:
Kein guter Tag zum Schreiben. Warum nochmal bauen Menschen Vernichtungslager?

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Freitag, 16. Mai 2008 – Abflug

Nun war unsere Spurensuche beendet. Wir haben in ganz Warschau nach Janusz Korczak gesucht und viel gefunden. Auch wenn es nicht immer leicht war, die Geschichte hinter den neuen Gebäuden und Straßen zu finden. Wir haben von dieser Exkursion viel mitgenommen, an Wissen aber auch ein tieferes Verständnis für die damalige Zeit. Noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die uns geholfen haben Warschau und Korczak in einen Zusammenhang zu bringen. Korczaks Pädagogik der Achtung ist immer noch aktuell.

Wir hoffen, die Spurensuche war für Sie geanuso interessant wie für uns.

Falls Sie noch mehr über Janusz Korczak und seine Pädagogik erfahren möchten, können Sie die Ergebnisse der Gruppenarbeiten aus dem Wintersemester 07/08 hier anschauen.

Letzter Blick auf Warschau

Letzter Blick auf Warschau

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